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 Donnerstag, 9. September 2010
1000 Jahre Endenicher Geschichte PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Stefan Schmitz   
Donnerstag, 29. Juli 2010
Es gibt sie noch, die kleinen Geschichten aus frühen Endenicher Tagen. So bekamen wir 3 kleine Geschichten aus der  "Festschrift aus Anlass des Wiedersehenstreffen der ehemaligen Schüler der Jahrgänge 1900 bis 1903 der Endenicher Volksschule" aus dem Jahre 1952.

Wir finden, das man sie den Endenichern präsentieren sollte. Vieleicht erinnert sich der ein oder andere noch daran....



1. Eine Gespenstergeschichte aus dem Burggraben

Noch heute (1952; Anm. d. Red.) wissen die alten Endenicher von einem Gespenst im Burggraben zu erzählen, das allnächtlich seine Umtriebe hielt. Grauenhafte Dinge gingen von Mund zu Mund. Viele wollten ein eigenartiges Wesen im Burggraben gesehen haben. Nicht die gewöhnlichen Hasenfüße waren bei Dunkelheit für einen Gang im Burggraben zu haben, sonder auch Männer, die sonst für kühn und herzhaft galten und namentlich am Biertisch das große Wort führten. Sie alle waren lange Zeit nur möglichst darauf bedacht, den Burggraben zu meiden. Was war denn nun los?
(…) Der Legationsrat Rose (Besitzer der Burg bis 1830; Anm. d. Red.), wusste die Spukgeschichte recht praktisch für seine dortigen Obstgärten auszunützen. Rose hatte es sich viel Geld kosten lassen, um die Obstkulturen zu verbessern. Die schönen Früchte lockten aber bald die Anwohner. Diese nächtlichen Besuche mehrten sich aber in erschreckender Weise. Er hatte auch gleich einen Plan gefasst. Als sachkundiger Naturforscher machte er eine bengalische Pulvermischung zurecht, die man plötzlich zum Aufblitzen bringen konnte. Mit einer solchen Mischung musste nun sein Diener Johann, als Gespenst verkleidet mit Filzsohlen versehen, schleichend in den Obstgarten gehen und im passenden Augenblick mit den Spukereien beginnen. Es war in einer warmen Septembernacht, als vor Johann plötzlich zwei Gestalten waren, wovon der eine sofort auf einen Apfelbaum stieg und der andere die niedrigen Sträucher plünderte. Als noch ein dritter Spitzbube durch das Loch der Hecke einschlich, hielt Johann den Moment für gekommen, und seine glühende Gestalt stand plötzlich vor den drei Dieben. In mächtigen Sätzen eilten sie davon, als sei der leibhaftige Böse hinter ihnen her. Johann war von seinem Erfolg so eingenommen, dass er noch öfter spukte, auch, wenn er keinen Anlass dazu hatte. Wer diese Geschichte aber nicht glauben will, der frage „Müllers Michel“
Peter Frembgen, 1952



2. Hochwasser im Endenicher Bach

Im Jahre 1926 verzeichnete Endenich am 18. Mai durch den stark anhaltenden Regen durch das Überlaufen des Baches ein Hochwasser. Die Felder und Gärten wurden so stark überschwemmt, dass ein erheblicher Schaden entstand. Im Wiesenweg drang das Wasser sogar in die Keller der anliegenden Häuser ein. Da das Wasser in den folgenden Tagen noch weiter anstieg und die gesamten Felder zwischen Wiesenweg und Wesselbahn und der Endenicher Straße vollkommen  überschwemmt wurden. Erst nachdem ein Hochwasserdienst eingerichtet war, konnte der Endenicher Bach wieder an sein Bett gefesselt werden.
(Die Wesselbahn führte vom Güterbahnhof bis zu den keramischen Werken Wessel in Poppelsdorf. Die Bahn querte die Endenicher Straße etwa in Höhe der Firma Knauber.
Hinter Knauber sind entlang der Straße Am Dickobskreuz heute noch Gleisreste zu sehen.
Das Teilstück der ehemaligen Trasse zwischen Endenicher Straße und Endenicher Allee heißt mittlerweile offiziell Wesselbahnweg. Überschwemmt war also das Gebiet zwischen der Fa. Knauber und der Poppelsdorfer Mensa, wahrscheinlich hoch bis zur Alfred Bucherer Straße)
(Ebenfalls 1926 gab es im Januar ein Jahrhunderthochwasser am Rhein mit Pegelständen deutlich über 10 Metern. Daraufhin wurden Rhein- und Siegdeiche errichtet, die seit dem Schwarzrheindorf und Geislar vor Überflutungen schützen.)
 
Peter Frembgen, 1952

3. Freiwillige Feuerwehr Endenich 1885

Nachdem im Jahre 1885 zwei schwere Brände die Scheunen und Stallungen des Reuterschen Anwesens und die Schreinerei Brenig, beide in der Endenicher Straße gelegen, fast ganz vernichteten, schritt der damalige Ortsvorsteher von Endenich, Reuter, zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. Über 30 Endenicher Bürger traten sofort der Wehr bei. Aus Gemeindemitteln wurde eine Spritze und eine größere Anzahl Ledereimer beschafft um für den ersten Einsatz gerüstet zu sein, dem die Wehr bald aus eigenen Mitteln einen Schlauwagen mit den nötigen Schläuchen folgen ließ.

Der erste Feuerwehr-Hauptmann war Schreinermeister Pütz, dem Michael Brünker, Sattlermeister Thenée, Jos. Merten, Leonh. Mertens, Peter Küsten, Adolf Fuchs und seit 1949 Wilh. Müller folgten. Weil die erste Zeit ein Steigerturm fehlte, übte die Wehr am Gebäude der Mädchenschule, bis sie einen vorschriftsmä0igen Steigerturm auf  dem Spielplatz der Mädchenschule und später auf dem Spielplatz der Knabenschule folgen ließ. Das erste Spritzenhaus der Wehr lag in der Pützgasse und ist uns alten Endenichern noch in guter Erinnerung; nach hinten heraus befand sich eine kleine Zelle mit vergittertem Fenster, in der mancher Wankelmütige und Landstreicher vorübergehend untergebracht wurde. Nach der Eingemeindung in den Jahren 1905 – 1906 wurde dann das heute (1952!!!; Anm. d. Red.) noch als Ruine stehende Depot erbaut, welches in den letzten Jahren an en Kirmestagen vom Bungardts Knoll als Tankstelle für durstige Kehlen eingerichtet wurde.

1914 hatte die Wehr eine Stärke von 50 Wehrmännern, von denen 20 Soldaten wurden, vier Wehrmänner starben den Heldentod. Die Wehr hatte sich schon kurz nach der Gründung ein eigenes Tambourkorps angegliedert, als erster Tambourmajor (Hannes) fungierte Joh. Enger "us de Bachjass", dem in den folgenden Jahren nicht minder schneidige folgten.

Vielen Wehrmännern wurde das von unserem früheren deutschen Kaiser verliehene Ehrenzeichen, welches als Spange auf der linken Brustseite getragen wurde, verliehen; ebenfalls kamen mehrere alte Feuerwehrleute in den Genuss eines Ehrensoldes, der 1929 von der Stadt Bonn an Männer gezahlt wurde, die mindestens 40 aktive Feuerwehr-Dienstjahre aufweisen konnten. Dieser Ehrensold wurde 1933 geschmälert und fiel schließlich 1934 ganz fort. Hilfsbereitschaft auf jede Art.

Im Jahre 1945 aufs neue wiederaufgerichtet. Aus den Trümmern, aus dem Chaos der Nachkriegszeit, bauten die Brandmeister Fuchs und Wilh. Müller mit Unterstützung der alten Wehrmänner eine neue, schlagkräftige Wehr. Da in Endenich so ziemlich alles abgebrannt war, was brennen konnte und die Feuerwehr nichts zu löschen hatte, beteiligte sie sich vorbildlich und zahlreich unter der Führung von Wilh. Müller an dem Wiederaufbau des Endenicher Klösterchens. Auf manchem Mauerstein liegen Schweißtropfen unserer wackeren Wehrmänner.

Wenn die Wehr auch im Augenblick (1952!!!; Anm. d. Red.) noch ohne Gerät und Depot ist, so geht doch die Ausbildung der Wehrleute zügig weiter. Möge es der Wehr und ihrem tatkräftigen Brandmeister Will Müller und dem zuständigen Dezernenten der Stadt baldigst gelingen, das zu beschaffen, war zur Sicherheit der Endenicher Bevölkerung nötig ist. Die vielen Ehrungen für 25-, 30-, 40-, 50- und noch mehrjährige Dienstzeit lassen erkennen, dass der Mann, wenn er einmal das Ehrenkleid des Feuerwehrmannes angelegt hat, es nur bei seinem Tode ablegt. (…)

Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr!

Fritz Kemmerich, 1952
 

Die Feuerwehr Endenich feiert am 05.09.2010 ihr 125 jähriges Bestehen mit einem großen Tag der offenen Tür rund um die Endenicher Burg.
Weitere Info's unter
www.ff-endenich.de

 

 


 
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