[Zum diesjährigen Tag der Architektur 26./27.06.2021 Radtour des BDA zu drei Bonner Wohnprojekten - u.a. mit Daniel Rutte, Jutta Brodhäcker und Bert Moll. Und Dank an Yola Thormann für die wie immer gelungene Organisation]

Teil 3: Schumanns Höhe in der Mitte von Bonn-Endenich zwischen Sebastian- und Alfred-Bucherer-Straße.

Auf diesem Areal stand über Jahrzehnte ein Seniorenheim, das Paulusheim.

Ende 2012 erklärten die Betreiber des Paulusheims, die Alexianer GmbH, den Betrieb des Pflegeheims in Endenich einstellen zu wollen. Als Grund wurden Auflagen des Gesetzgebers genannt (Ein-Bett-Zimmer), die vor Ort nur mit unverhältnismäßg hohen Aufwendungen umsetzbar und damit unwirtschaftlich wären. Formart, wie Instone Real Estate bis Juni 2017 hieß, kaufte das Gesamtareal.

Nach Ankündigung der Schließung des Seniorenwohnheims hatte der Rat der Stadt Bonn am 23.05.2013 entschieden, einen Bebauungsplan (Nr. 7621-56) aufzustellen. Dieser Bebauungsplan wurde am 03.05.2018 vom Rat der Stadt beschlossen. 2015 fand vor Ort ein Kommunalcafé statt, ebenfalls wie die Mehrfachbeauftragung mit 6 Planungsbüros. Anregungen der Bürger*innen und des Ortsausschusses Endenich im Rahmen der Beteiligung führten zu einer Anpassung des Konzeptes. Der sechsgeschossige Gebäudesolitär in der südöstlichen Ecke des Plangebiets wurde von der Grundstücksgrenze zur Sebastianstraße zurückversetzt, ein Teil des Gebäudes wurde um ein Stockwerk reduziert. Des Weiteren wurde der nördlich des Schumannhauses gelegene Baukörper verkürzt, um den Blick aus Richtung Ortsmitte Endenich kommend nicht einzuschränken.

Deutlich wurde in der Diskussion, dass unterschiedliche Ziele im Rahmen einer solchen Planung gegeneinander abgewogen werden müssen. So konnte der Bewuchs am nördlichen Grundstücksrand zur Alfred-Bucherer-Straße - im Gegensatz zu anderen Planentwürfen - im Grundsatz erhalten bleiben. Der von den Heimbewohner*innen genutzte Park, der den südlichen Teil des Grundstückes ausmachte, wurde jedoch zum größtenteils bebaut. Dies ermöglichte den Bau von ca. 210 Wohneinheiten. Die Außenfassade des Altbaus des ehemaligen Paulusheims wurde komplett neu errichtet, um den städtebaulichen Charakter gemeinsam mit dem Schumann-Haus zu erhalten. Es wurden zwei neue öffentliche Durchgänge durch das Gelände geschaffen werden, wovon einer direkt auf das Robert-Schumann-Haus ausgerichtet ist. Selbst konnte ich erreichen, dass die Straßenrandbebauung zur Sebastianstraße durch unterschiedliche Materialien nicht nur kleinteilig wirkt, sondern auch eine unterschiedliche Höhenentwicklung aufweist. Im Gesamtprojekt „Schumanns Höhe“ entstanden auf drei Baufeldern vielfältige Wohnkonzepte.

Auf Baufeld 3 errichtet Instone insgesamt 130 moderne Eigentumswohnungen mit ein bis fünf Zimmern mit einer Größe von 30 bis 150 Quadratmetern. Die 75 Geschosswohnungen und 55 Apartments sind für verschiedene Zielgruppen konzipiert und stärken dadurch die Vielfalt im Quartier zusätzlich. Auf Baufeld 2 entstand ein Mehrgenerationenprojekt mit 20 Wohneinheiten sowie 34 Mietwohnungen und eine Kindertagespflege, die an die in Bonn ansässige Wohnbau GmbH abgegeben wurde. Auf Baufeld 1 wird aktuell das Konzept „Pflegeverbund“ mit Wohngemeinschaften für alle Pflegestufen realisiert.

Geschichte:

Die Bezeichnung „Schumanns Höhe“ weist auf das im Gelände befindliche Schumannhaus hin. Das Schumannhaus ist das Sterbehaus des Komponisten Robert Schumann im Bonn. Das Gebäude wurde um 1790 im klassizistischen Stil als Landhaus für den kurfürstlichen Kammerrat und Schöffenbürgermeister Matthias Joseph Kaufmann gebaut. Franz Richarz kaufte das Haus und ließ es zur Nutzung als private psychiatrische Klinik umbauen. Am 26. Oktober 1844 machte er sich dort mit seiner eigenen Heil- und Pflegeanstalt selbstständig. In ihr ließen sich auch andere prominente Persönlichkeiten behandeln, so etwa die Maler Carl Gehrts, Mihály von Munkácsy und Alfred Rethel. Robert Schumann kam im März 1854 aus Düsseldorf auf eigenen Wunsch als Patient nach Endenich (damals noch ein selbstständiger Ort). Schumann ließ sich zwei Jahre lang von Franz Richarz behandeln. Während dieser Zeit durfte er die Heilanstalt abhängig von seinem Befinden nur gelegentlich für Spaziergänge verlassen. Er starb dort schließlich am 29. Juli 1856. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof in Bonn. Heute ist das Gebäude eine Gedenkstätte und wird als Museum und Musikbibliothek der Stadt Bonn genutzt. Das Schumannhaus steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.

(Text: Rolf Beu)

 

   

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